Gar nicht mit gerechnet
Nicht schlecht staunten die Fans bei der Enthüllung des neuen Teils der Battlefield-Reihe im Mai diesen Jahres – und das aus mindestens zwei Gründen. Da wäre zunächst der Name: Battlefield 1. Echt jetzt? Einfach ’ne 1 davor und das war’s? Persönlich finde ich den Namen ebenso uninspiriert wie Need for Speed, DOOM oder Medal of Honor. Ich rede hier wohlgemerkt von den Reboots besagter Spiele in den vergangenen Jahren. Wenn einem nichts einfällt, fängt man wohl einfach wieder von vorn an. Jetzt werden einige von euch sagen: „Ey, du Idiot, die 1 im Falle von Battlefield passt doch wohl gut!“ Ja, das mag schon sein. Dennoch hat man es sich doch irgendwie zu einfach gemacht. Aber gut, so viel Bedeutung wollte ich dem eigentlich nicht schenken. Denn der zweite Grund ist ja deutlich interessanter.

Womit wir beim Setting von Battlefield 1 wären. Während sich die Call of Duty-Reihe in jedem Jahr weiter in die Zukunft wagt, dieses Mal sogar noch stärker ins All vordringt und 2020 vermutlich unser Universum durch ein Wurmloch gänzlich verlassen hat, um gegen Aliens in den Kampf zu ziehen, haben sich die Schweden zurück in die Vergangenheit begeben und den Ersten Weltkrieg für das neuste Kriegstreiben zum Vorbild genommen.

Eine willkommene Abwechslung oder doch eher ein Rückschritt?

Battlefield 1Kriegsgeschichten
In den letzten 5 Jahren haben sich namhafte Entwickler von Shootern mehr und mehr in Richtung moderne Kriegsführung begeben – Zweiter Weltkrieg, Vietnam und der Kalte Krieg gehören der Vergangenheit an. Umso erstaunlicher war die Ankündigung des schwedischen Entwicklers DICE, den Ersten Weltkrieg als Hintergrund für das neue Battlefield zu nehmen. Der Name Battlefield 1 passt da natürlich wie die Faust aufs Auge, darüber hinaus ist das Szenario des Ersten Weltkriegs, der von 1914 bis 1918 andauerte und sich von Europa über den Nahen Osten bis hin nach Afrika erstreckte, ein vergleichsweise unverbrauchtes Thema bei Shootern. Schaut man sich zudem die Battlefield-Reihe genauer an, fällt auf, dass die Schweden bisher noch kein Spiel mit einem WW1-Szenario auf den Markt gebracht haben.

Auch beim Konzept der Kampagne von Battlefield 1 geht man einen anderen Weg als bisher. Anstatt einem Einsatztrupp oder einem einzelnen Soldaten zu folgen, schlüpfen wir in die Rolle verschiedener Soldaten, die an unterschiedlichen Orten und Zeiten den Ersten Weltkrieg erleben und auch gar nichts miteinander zu tun haben – außer eben einen grausamen Krieg erleben zu müssen. Sie alle sind keine klischeehaften Helden sondern Individuen, die fernab von Pathos einfach das tun, was getan werden muss.

Beeindruckend ist dabei die Umsetzung der Kampagne und die visuelle Präsentation, die sich stets um Ernsthaftigkeit bemüht und den Krieg schonungslos zeigt, ohne dabei in überspitzten, blutgetränkten Darstellungen zu baden. Wohl auch ein Grund, warum Battlefield 1 eine Freigabe ab 16 Jahren von der USK erhalten hat.

Battlefield 1Die Stimmung auf dem Schlachtfeld ist in jeder der fünf spielbaren Kriegsgeschichten einzigartig und durch Zwischensequenzen kinoreif inszeniert. Schon der Prolog bringt das Schlimmste am Krieg hervor: der Verlust von Menschenleben. Insbesondere derer, die an vorderster Front stehen und bitterlich kämpfen. Wenn wir innerhalb von nur wenigen Minuten in gleich mehrere Rollen schlüpfen, nur um mitansehen zu müssen, wie wir kurz darauf sterben, dann sind das schon bedrückende Momente, die gleichzeitig aber auch kaum passender für den Einstieg in die Kampagne hätten sein können.

Solche Momente, oftmals getrieben durch Emotionen, finden wir häufiger in den Kriegsgeschichten wieder. So kämpfen wir uns etwa als Arditi-Spezialeinheit in den italienischen Alpen bis auf den Gipfel der Dolomiten, holen feindliche Flieger vom Himmel und setzen alles daran, unseren Bruder zu finden, der in einer anderen Einheit ebenfalls an der Front kämpft.

Neben all den Emotionen kommt auch die typische Battlefield-Action nicht zu kurz. Die Spielengine liefert gewaltige und visuell grandiose Zerstörungsorgien. Weggesprengte Häuser, deren Wände uns kurz zuvor noch Deckung boten, werden mit Wucht in Schutt und Asche gelegt, riesige Krater im Boden geben uns beim Angriff eine Sekunde lang die nötige Deckung zum Verschnaufen, während wir anschließend durch Schützengräben kriechen und dem Feind aus nächster Nähe ins Auge blicken, wohl wissend, dass einer von beiden diese Begegnung nicht überlebt.

Battlefield 1Operation Schlachtfeld
Das Kernstück eines Battlefield ist seit jeher der Mehrspielermodus, in dem sich Spieler auf riesigen Karten in actionreichen Schlachten bekämpfen. Für Battlefield 1 haben sich die Entwickler auf den neun vorhandenen Karten neben den bekannten Spielmodi Eroberung, Rush, Team Deathmatch und Vorherrschaft auch zwei neue einfallen lassen.

Ein ganz witziger Modus für zwischendurch ist der Modus Kriegstauben. Auf einer relativ kleinen Karte kämpfen zwei Fraktionen um eine solche Taube. Diese gilt es zu finden und eine Nachricht abzusetzen, damit feindliche Stellungen per Artillerie angegriffen werden können. Insgesamt muss ein Team drei Tauben erfolgreich abschicken, um das Match zu gewinnen. Die Taube ist für alle sichtbar markiert. Sobald ein Spieler sie aufgenommen hat, schreibt er automatisch eine Nachricht, deren Fortschritt mittels eines sich füllenden Kreises dargestellt wird. Die Taube selbst kann nur im Freien losgeschickt werden, sich also irgendwo im Bunker zu verschanzen und auszuharren bringt keinen wirklichen Vorteil. Das Schreiben der Nachricht geht indes schneller von der Hand (welch Wortwitz!), wenn ihr stehen bleibt, und dauert entsprechend länger, wenn ihr in Bewegung seid. Ist die Tauben-Nachricht abgeschickt, bleibt dem gegnerischen Team meist nur ein Augenblick um zu versuchen, die aufsteigende Taube abzuschießen.

Der schon jetzt bei vielen Spielern beliebte Modus Operationen sticht aber aus allen anderen deutlich hervor, zeigt er die Battlefield-Schlachten doch in ihrer ganzen Bandbreite und Intensität. Der Modus Operationen hat von Haus aus vier große Karten anzubieten, die an tatsächliche Begebenheiten des Ersten Weltkriegs angelehnt sind. Eine solche Karte ist in jeweils fünf Sektoren eingeteilt, die die angreifende Fraktion nach und nach erobern muss. Dabei kommen alle Werkzeuge des Krieges zum Einsatz. Egal ob zu Fuß, mit dem Panzer oder am Himmel im Jagdflugzeug, den Angreifern ist jedes Mittel recht, um die Flaggenpunkte eines jeden Sektors einzunehmen. Ein solch eroberter Flaggenpunkt kann von den Verteidigern nicht mehr zurückerobert werden. Ein Sektor gilt als komplett erobert, wenn alle Flaggenpunkte eingenommen wurden. In diesem Fall ziehen sich die Verteidiger in den nächsten Abschnitt zurück und bereiten sich auf einen neuen Angriff vor. Jeder Abschnitt spielt sich dabei durch die örtlichen Gegebenheiten unterschiedlich. Fangen wir zunächst auf einem zerbombten Feld an und schlagen uns nach Deckung suchend durch die Schützengräben des Feindes, erwarten uns später stimmige Häuserkämpfe.

Battlefield 1Die Operationen sind ganz klar das Highlight des Mehrspielermodus, bekommt man doch hier das ganze Repertoire des Kriegs am eigenen Leib zu spüren. Egal ob als Angreifer oder als Verteidiger.

Eine weitere Neuerung, die man während des Kampfverlaufs auch gar nicht ignorieren kann, sind die Behemoths. Diese wilden Kriegsmaschinen erhält die unterlegende Fraktion im Mehrspielermodus, womit sie die Chance erhalten, den Kampf noch einmal zu drehen. In der Beta haben wir bereits Bekanntschaft mit dem Panzerzug gemacht, der alles kurz und klein schoss. Mit dem Luftschiff L30 und dem Schlachtschiff Dreadnought sind aber noch zwei weitere Monster im Spiel vorhanden. Unvergesslich der Moment, als das Luftschiff in Flammen aufgeht und mit einer solchen Wucht auf den Boden einschlägt, dass kilometerweit die Erde erzittert und alles unter sich begräbt.

Im Gegensatz zu Battlefield 4 fällt das Waffenarsenal deutlich kleiner aus, was natürlich der damaligen Zeit und der Technologie geschuldet ist. Ebenso die Aufsätze für Waffen sowie sonstige Extras sind davon betroffen. Das mag wohl auch ein Grund gewesen wein, weshalb man die Funktionsweise des Battlepacks änderte. Es gibt drei Varianten von Battlepacks, die man zunächst allerdings nur durch Zufall am Ende einer Runde erhalten kann. Also keines mehr bei einem Rangaufstieg. Die neuen Battlepacks enthalten einen garantierten Skin für eine Waffe und darüber hinaus die Chance auf einen XP-Boost. Außerdem kann mit viel Glück ein Puzzleteil für euch herausspringen, was euch eine besondere Waffe beschert, sofern ihr alle Teile davon gesammelt habt.

Battlefield 1Tolle Umsetzung mit leichten Schrammen
Battlefield 1 macht auf dem Schlachtfeld eine grandiose Figur. Grafisch ist der Sprung von Battlefield 4 oder Battlefield Hardline enorm. Die Texturen sind scharf, das Spielgeschehen läuft stets flüssig und der Sound ist wieder einmal ungeschlagen und versetzt einen inmitten des Krieges.

Was uns hingegen gar nicht gefällt, sind die ewig langen Ladezeiten. Sei es in der Kampagne oder im Mehrspielermodus. Wer Star Wars Battlefront, das ebenfalls aus dem Hause DICE stammt, gespielt hat, der weiß, wovon wir reden. Des Weiteren gibt es erhebliche Eingabeverzögerungen im Menü, eine Krankheit aus der Beta, die immer noch nicht behoben wurde und mindestens genauso nervt.

Ebenfalls nicht so toll ist die fehlende Möglichkeit, nach einem Match das Spiel zu verlassen und ins Hauptmenü zurückzukehren. Wie kann man so etwas heutzutage nur vergessen oder absichtlich weglassen?

Und da wir nur ungern unvorbereitet in den Kampf ziehen, hätten wir uns dann noch das Trainingsgelände aus Battlefield 4 gewünscht. Wäre schön, wenn wir Waffen und Extras vorher ausprobieren könnten. Insbesondere die Klassen möchte man sich vorher mal genauer anschauen. Ohnehin lässt sich die Ausrüstung nur direkt im Match anpassen und nicht vorher im Hauptmenü. Das ist doof und muss nicht sein. Und nein, ich will dafür nicht die Companion-App benutzen.

Battlefield 1Fazit
DICE hat einen ungewohnten und vorher nicht zu erwartenden Weg eingeschlagen. Mit Battlefield 1 begibt man sich auf der Zeitachse des Krieges in die Vergangenheit, spielerisch aber in die Zukunft. Der Erste Weltkrieg hat aus spielerischer Sicht eine Menge zu bieten und wir sind gespannt, welche spannenden Schlachten uns in den Monaten nach dem Launch mit den Erweiterungen erwarten.

Für den Moment bleibt jedoch ein durchweg überragender Eindruck zurück. Die Schweden haben ein Spiel abgeliefert, das sich ernster und erwachsener darstellt als seine Vorgänger. Besonders lobenswert sind die Kriegsgeschichten, die spannend und cineastisch inszeniert und alles andere als die typischen Heldenepen sind.

Der Mehrspielermodus hingegen ist für viele das entscheidende Kauf-Merkmal. Und hier könnt ihr bedenkenlos zugreifen. Actionreiche Schlachten, neun abwechslungsreiche Karten mit eigenem Hintergrund und die Operationen als Sahnestück mit dem besten Battlefield-Feeling bisher sprechen eindeutig für Battlefield 1.

Battlefield 1 Test
Erster Weltkrieg als unverbrauchtes Szenariokleine, persönliche Kriegsgeschichten statt Klischeesabwechslungsreiche KriegsschauplätzeOperationen-Modus liefert einmaliges Schlachten-Gefühlgrafisch sehr ansprechend und detailreicherwachsener und ernster als seine Vorgängertolle Effekte (Explosionen, Zerstörung etc.)neun große Kartengute deutsche Vertonungerstklassiger Sound
sehr lange Ladezeitenfehlendes Trainingsgeländekein Ausrüsten über Hauptmenü möglichVerlassen des Spiels zwischen Runden nicht möglich
9.5VON 10
Leser Bewertung 1 Abstimmen
9.7