beRIDE 2 RIDE?
Um diese kühle, regnerische Jahreszeit sieht man zwar immer weniger davon im wahren Leben, allerdings dürften uns durch das Erscheinen von RIDE 2 für die Xbox One vermehrt Motorradfahrer in der virtuellen Welt begegnen. Obwohl die ambitionierte Simulation der Italiener letztes Jahr nicht alle Kritiker vollends überzeugte, startet Milestone nun mit RIDE 2 erneut den Versuch, das Videospiel-Monopol im Zweiradsport zu übernehmen. In wieweit dieses Unterfangen geglückt ist, welche Verbesserungen im Motor stecken und ob sich ein Kauf lohnt, erfahrt ihr in unserem Rennbericht.

ride2-21-11-2016-04Let’s take a RIDE
Die ganz großen Erwartungen an RIDE 2 wurden bereits im Menü ein wenig getrübt, denn viele Änderungen im Vergleich zum Vorgänger lassen sich auf den ersten Blick nicht finden. Noch immer dürft ihr euch auf der sogenannten World Tour in zahlreichen, abwechslungsreichen Einzelevents austoben, euch in den hart umkämpften Online-Modus stürzen oder einfach nur so ein bisschen mit eurem Gefährt durch die Gegend heizen. Eine gut inszenierte Handlung mit unvorhergesehenen Wendungen – wie beispielsweise in Forza Horizon – sucht ihr dagegen vergebens. Gerade hier hätten die Mailänder durchaus ein wenig mehr Kreativität zeigen können, um sich qualitativ deutlich vom ersten Teil abzusetzen.

Dagegen hat sich was in unserem deutlich erweiterten Fuhrpark getan, denn mit ungefähr 200 voll lizenzierten Bikes steht euch ein wahrliches Auswahlfest zur Verfügung, dass sich tatsächlich sehen lassen kann. Sämtliche Motorräder sind darüber hinaus individuell gestaltbar. So dürft ihr problemlos an euren motorisierten Kraftpaketen nicht nur technisch sondern auch optisch herumwerkeln, bis ihr euer gewünschtes Bike vor euch stehen habt.

ride2-21-11-2016-03Eine weiterer, wenngleich auch feiner Unterschied lässt sich in der Steuerung ausmachen. Diese fällt nun spürbar schwerfälliger aus, sodass selbst geübte Zweiradprofis eine kurze Eingewöhnungszeit benötigen, bevor sie die bulligen Geschosse gekonnt über den Asphalt jagen. Gerade anfangs rutscht ihr mit euren Motorrädern noch gerne in Kurven weg oder berechnet den Neigungswinkel falsch, sodass ihr euch unnötig in Bredouille bringt. Falls dies geschieht, benutzt ihr einfach die Rückspulfunktion, die ihr beliebig oft verwenden dürft, sodass selbst die kleinsten Fahrfehler problemlos ausgemerzt werden können. Wenn die Rennen trotzdem zu schwierig werden, dreht ihr einfach an der Einstellungsschraube und lasst euch unter anderem die Ideallinie anzeigen, aktiviert den Bremsassistenten oder setzt die K.I. auf ein niedriges Niveau – dann sollte selbst der unerfahrenste Neuling eine faire Chance haben, ein Platz auf dem Siegertreppchen zu ergattern.

Die Anzahl der Strecken hat sich zwar im Vergleich zum Vorgänger nicht wesentlich verändert, allerdings dürft ihr in RIDE 2 unter anderem auf dem Nürburgring (Nordschleife) eure Runden drehen, was sicherlich für den einen oder anderen Motorsportfan ein großer Anreiz sein dürfte. Des Weiteren erwarten euch beispielsweise hitzige Straßenrennen, idyllische Überlandrennen oder adrenalingetränkte Beschleunigungsrennen, die euch garantiert stundenlang vor den Bildschirm fesseln werden.

Optisch hat sich seit einem Jahr leider nicht zwingend viel verbessert beziehungsweise verändert, was nicht unbedingt auf eine schwache Präsentation hindeutet. Die Schauplätze sowie Strecken werden nämlich ordentlich dargestellt, hier und da schleichen sich zwar matschige Texturen ein und der Detailgrad hält sich insgesamt stark in Grenzen, nichtsdestotrotz hat RIDE 2 durchaus Potential und ist meilenweit von einer Billigproduktion entfernt. Gerade die Zweiradmodelle sind äußerst positiv hervorzuheben, diese sehen ausgesprochen gut, fast schon real aus.

ride2-21-11-2016-05Jetzt wird’s aber mal RIDE
Falls ihr euch schon immer einmal gewünscht habt, die absolute Nummer Eins in der Motorsportwelt zu sein, dürfte euch die World Tour bestimmt gefallen, denn hier könnt ihr genau dieses Ziel mit ein wenig Anstrengung erreichen. Zunächst gestaltet ihr euch spartanisch euren Rennfahrer – mehr als das Geschlecht, der Name, die Hautfarbe und die Herkunft dürft ihr nichts einstellen – und schon kann die wilde Fahrt losgehen. Selbstverständlich verfügt ihr als unbekannter Amateur zu Anfang noch nicht über das nötige Kleingeld, um euch mit den besten und stärksten Motorrädern auszustatten, sodass ihr auf die kleinen Hubraummaschinen zurückgreifen müsst. Ähnlich wie in Forza Horizon arbeitet ihr euch dann durch einen Dschungel verschiedener Kacheln, die euch die jeweiligen Schauplätze inklusive Rennarten aufzeigen. Dabei müsst ihr nicht nur simple Wettkämpfe gegen die K.I. bestreiten, sondern müsst unter anderem Beschleunigungsrennen, Teamrennen oder Geschicklichkeitsfahrten bewältigen. Nachdem ihr die ersten Rennen erfolgreich absolviert habt, könnt ihr eure PS-Biester ein wenig aufmotzen, um deren Leistung sukzessive zu steigern. Das macht nicht nur ordentlich Laune, sondern wirkt sich auch spürbar auf der Strecke aus. So bleibt gerade die World Tour durchgehend motivierend und bietet aufgrund der Vielzahl an Zweirädern, Modifikationen und individuell gestaltbaren technischen Feinheiten eine gehörige Portion Spielspaß.

Habt ihr die dann doch mal genug von der Welttournee und braucht ein wenig Abwechslung, dürft ihr getrost in den Online-Modus reinschnuppern, der sich wieder einmal auf zwei mögliche Varianten beschränkt: Einzelrennen oder eine ganze Meisterschaft. Mit bis zu 11 weiteren Spielern dürft ihr euch dann auf den virtuellen Rennstrecken messen, die zuvor demokratisch gewählt werden. Bevor das Rennen dann letztlich losgeht, dürft ihr euch entweder ein Motorrad „leihen“ oder ein bereits erworbenes und für die Strecke zugelassenes aus eurer eigenen Garage verwenden. Wird die Lobby nicht vollends durch menschliche Mitspieler gefüllt, werden die übrigen Plätze von der K.I. übernommen, sodass ihr stets mit einem vollen Fahrerfeld startet. Darüber hinaus bietet RIDE 2 noch die Möglichkeit, den kompetitiven Wettkampf auch an einer Konsole lokal zu erleben.

ride2-21-11-2016-01Fazit
Der Nachfolger des letztjährigen Ritts durch die Asphaltprärie baut auf den Stärken des Vorgängers auf, lässt jedoch Innovation, Kreativität und Abwechslung missen, sodass RIDE 2 unterm Strich kaum große Veränderungen im Vergleich zum ersten Teil zulässt. Der aufgemöbelte Fuhrpark mit nun rund 200 original lizenzierten Zweirädern sowie die motivierende Möglichkeit des Individualisierens können hierbei zwar deutlich punkten, allerdings sucht man tatsächliche spielerische Erweiterungen – wie beispielsweise einen Karrieremodus – vergeblich. Die überarbeitete Bedienbarkeit eurer PS-Geschosse ist nun spürbar schwerfälliger und lässt gerade in Kurven kaum noch Fehler zu. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit sowie zahlreicher Einstellungsmöglichkeiten sollten aber selbst RIDE-Neulinge vor keine unlösbaren Probleme gestellt werden. Die Welttournee macht immer noch großen Spaß und birgt zweifelsohne das größte Potential. Hier können sich Liebhaber des zweirädrigen Motorsports problemlos in einer Vielzahl an Rennmöglichkeiten an verschiedenen Schauplätzen dieser Erde austoben. Der kompetitive Modus (on- als auch offline) bietet dieselben Varianten wie der Vorgänger.

Wer vom Motorsport – im speziellen Zweiradsport – einfach nicht genug bekommt, darf bei RIDE 2 zuschlagen, Besitzer des ersten Teils sollten aber die Erwartungen deutlich herunterschrauben, da nicht sehr viel Neues auf sie zukommt.

RIDE 2 Test
großer, lizenzierter FuhrparkNürburgring Nordschleifemotivierende World TourRückspulfunktionindividuell gestaltbare Motorräderzahlreiche Einstellungsmöglichkeitenabwechslungsreiche Rennvariantentolle Motoradmodelle
kein Karrieremodusunspektakuläre Inszenierungkaum grafische Verbesserungennahezu identisches Spiel (im Vergleich zu RIDE)
6.5VON 10
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